Sinem - Mit neuem Album "Hatun"
Sinem  
Veranstalter:
Kulturverein Kofferfabrik e.V. , Lange Str. 81, 90762 Fürth, Deutschland
Veranstaltungsinfos
Hatun wusste immer, was sie will. Hatun packte ihren Koffer und fuhr nach Deutschland. Ihr Mann blieb, erst später kamen er und die Kinder nach. Da hatte Hatun längst Arbeit in einem Dorf in Oberbayern gefunden und sich mit Klugheit, Fleiß und Umsicht unentbehrlich gemacht. Heute ist Hatun alt, sie wird vergesslich. Aber eines hat sie gut verstanden, und das vergisst sie nicht: Sinem macht Musik, sie singt und tanzt auf Bühnen. Nun hat Sinem schon ihr zweites Album aufgenommen und das wird ihren Namen tragen: „Hatun“. Ein Bild von ihr, der jungen Hatun, wird auch auf der Platte abgebildet sein. Sinem ist ihre Enkelin, und die weiß, was sie will.
Sinem wuchs in Oberbayern auf, am Ammersee. Sie zog nach München, wo sie noch heute lebt. Ihr Vater hatte ihr westliche Popmusik vorgespielt, die coole Variante: Tanz den Mussolini. Bei den Großeltern wurde die Musik aus der Heimat gespielt und gesungen. Die Klassiker der türkischen Popkultur, die wieder und wieder aufs Neue interpretiert werden, oft von Sängerinnen, deren Namen irgendwann einen mythischen Klang bekommen haben, weil sie nicht einfach nur Sängerinnen sind. Sie interpretieren die Texte der Dichtersänger, der Aşıks, und sie schreiben eigene. Sie sprechen von den Dingen, um die es geht. Von der Liebe, der unerwiderten, der unmöglichen und der verflossenen, vom Schmerz und der Sehnsucht. Aber auch von dem, was passiert, im Dorf, im Land, auf der Welt, von der Ungerechtigkeit und vom Widerstand dagegen.
Auf ihrem ersten Album „Köşk“ interpretierte Sinem solche Klassiker. Sie alle hatten gemein, dass sie eine Haltung transportieren. Durch ihre Lyrics, ihren Sound oder durch elegante Moves wie diesen: Das Lieds eines Machos zu singen, der über eine Frau spricht. Dass es nun aber Sinems Stimme ist, die diese Worte singt, und sie sich dazu ekstatisch auf der Bühne wälzt, sagt mehr als jedes feministische Seminar. Das ist Anadolu Punk.
Das neue Album, „Hatun“, beginnt mit „Ötme Bülbül Ötme“, geschrieben von Pir Sultan Abdal, interpretiert von Sercan Öztürk und Hüseyin Korkankorkmaz. Es ist eines der Lieder, die Sinem bei ihren Großeltern hörte. Vielleicht erzählte es ihnen über das Leben in der Fremde: „Sing nicht, Nachtigall, mein Garten ist nicht fröhlich. Aus Sehnsucht nach dir vergehe ich.“ Für „Hatun“ hat sich Sinem wieder Klassiker vorgenommen von Sezen Aksu, Erkin Koray und anderen, die eine besondere Bedeutung für sie haben und sie schon lang begleiten.
Sinem, die Band, in der Tom Wu für die Musik und Sinem für den Gesang verantwortlich sind, hat nun aber auch eigene Lieder geschrieben. Weil die aus ihnen selbst kommen, entwickeln sie eine eigene Kraft. Der Stimme der Tradition wird aus der Gegenwart geantwortet, die Vergangenheit bildet die Echokammer für Geschichten von heute.
Erwartungen, die andere an uns herantragen, lassen uns nur zurück in die Vergangenheit und nach vorn in die Zukunft schauen, aber nie im Augenblick leben und zufrieden sein mit dem, was man tut und was man ist. Sinem hat darauf eine rotzige Antwort parat: „Bana ne“, ist mir egal! „Dies habe ich selbst getan. Und das habe ich selbst getan. Was willst du dagegen tun? Was geht’s dich an? Ist mir egal!“ So erhebt Sinem auf dem zweiten Stück des Albums ihre Stimme über einem muskulös rockenden Track, der stoisch und mit festem Schritt seinen eigenen Weg geht.
Das soll nicht so sein, sagen sie. Wir sollen tun, was unserer Rolle entspricht. Dieses Märchen scheint Sinems Erzählerin in „Masal“ den Leuten aber nicht mehr abzunehmen: Ein braves, höfliches, stilles, süßes Mädchen bricht aus seinem Käfig aus und verwandelt sich in ein mutiges, frei lebendes, geflügeltes Mädchen. Oder ist diese schöne Geschichte ihrer Befreiung nur ein weiteres Märchen, zu dem das Mädchen wieder nur brav nicken darf?
„Asla!“ ist ein Banger, nicht einmal zwei Minuten lang. Er handelt von einem Tabu, das eher Frauen trifft als Männer. Man soll sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. „Niemals!“, damit das Gegenüber nicht auf die Idee kommt, dass man sich für etwas Besseres hält, weil man gewisse Talente besitzt. „Ichbewahre die geheimsten Worte. Ich teile sie nicht, niemals teile ich sie. Ich singe die schönsten Lieder. Schau mich nicht an, schau mich lieber nicht an.“
In „Agatha Christie“, dem letzten der von Sinem selbst geschriebenen Lieder auf dem Album, wird ein Suchscheinwerfer auf jene Männer geworfen, die im Schatten der patriarchalischen Verhältnisse Frauen auf der Straße mal wie nebenbei, mal ganz unverschämt anstarren und so zu Dingen machen, die es zu beurteilen und zu besitzen gilt. „Ihre Gesichter sind maskiert, verhüllt in der Dunkelheit der Seele. An jeder Ecke warten sie.“ Agatha Christie wohnte oft im Pera Hotel im Istanbuler Viertel Beyoğlu. Ebendort lebte auch Sinem zwei Jahre lang, ging jeden Tag unter den Blicken der Maskierten. Jetzt schaut sie zurück, und wirft ihre Verhüllung ab: Wir sehen euch, und wenn wir euch sehen, wird euch das Gaffen schon vergehen.
Tom Wu hat jedem Song eine eigene, individuelle Note gegeben, verschiedene Gitarristen haben ihre Riffs dazu eingespielt. „Hatun“ groovt lässig vor sich hin und spiegelt so das Selbstbewusstsein von Sinem, die selbst zu sprechen begonnen hat – poetisch und souverän. Sie nimmt sich nun auch in den Worten ihren Platz. Wer erzählt, was ist, hat das Sagen.
Hatun ist stolz auf ihre Enkelin, und ihre Enkelin ist stolz auf sie.
Ulrich Gutmair
https://www.instagram.com/sinem_band/
Wenn ihr der Kofferfabrik und den KünstlerInnen was Gutes tun wollt, könnt ihr im Vorverkauf gerne den "Kulturpreis 1" oder "Kulturpreis 2" wählen. Die Mehreinnahmen gehen an die KünstlerInnen und den Verein. Danke :- ))
Sinem wuchs in Oberbayern auf, am Ammersee. Sie zog nach München, wo sie noch heute lebt. Ihr Vater hatte ihr westliche Popmusik vorgespielt, die coole Variante: Tanz den Mussolini. Bei den Großeltern wurde die Musik aus der Heimat gespielt und gesungen. Die Klassiker der türkischen Popkultur, die wieder und wieder aufs Neue interpretiert werden, oft von Sängerinnen, deren Namen irgendwann einen mythischen Klang bekommen haben, weil sie nicht einfach nur Sängerinnen sind. Sie interpretieren die Texte der Dichtersänger, der Aşıks, und sie schreiben eigene. Sie sprechen von den Dingen, um die es geht. Von der Liebe, der unerwiderten, der unmöglichen und der verflossenen, vom Schmerz und der Sehnsucht. Aber auch von dem, was passiert, im Dorf, im Land, auf der Welt, von der Ungerechtigkeit und vom Widerstand dagegen.
Auf ihrem ersten Album „Köşk“ interpretierte Sinem solche Klassiker. Sie alle hatten gemein, dass sie eine Haltung transportieren. Durch ihre Lyrics, ihren Sound oder durch elegante Moves wie diesen: Das Lieds eines Machos zu singen, der über eine Frau spricht. Dass es nun aber Sinems Stimme ist, die diese Worte singt, und sie sich dazu ekstatisch auf der Bühne wälzt, sagt mehr als jedes feministische Seminar. Das ist Anadolu Punk.
Das neue Album, „Hatun“, beginnt mit „Ötme Bülbül Ötme“, geschrieben von Pir Sultan Abdal, interpretiert von Sercan Öztürk und Hüseyin Korkankorkmaz. Es ist eines der Lieder, die Sinem bei ihren Großeltern hörte. Vielleicht erzählte es ihnen über das Leben in der Fremde: „Sing nicht, Nachtigall, mein Garten ist nicht fröhlich. Aus Sehnsucht nach dir vergehe ich.“ Für „Hatun“ hat sich Sinem wieder Klassiker vorgenommen von Sezen Aksu, Erkin Koray und anderen, die eine besondere Bedeutung für sie haben und sie schon lang begleiten.
Sinem, die Band, in der Tom Wu für die Musik und Sinem für den Gesang verantwortlich sind, hat nun aber auch eigene Lieder geschrieben. Weil die aus ihnen selbst kommen, entwickeln sie eine eigene Kraft. Der Stimme der Tradition wird aus der Gegenwart geantwortet, die Vergangenheit bildet die Echokammer für Geschichten von heute.
Erwartungen, die andere an uns herantragen, lassen uns nur zurück in die Vergangenheit und nach vorn in die Zukunft schauen, aber nie im Augenblick leben und zufrieden sein mit dem, was man tut und was man ist. Sinem hat darauf eine rotzige Antwort parat: „Bana ne“, ist mir egal! „Dies habe ich selbst getan. Und das habe ich selbst getan. Was willst du dagegen tun? Was geht’s dich an? Ist mir egal!“ So erhebt Sinem auf dem zweiten Stück des Albums ihre Stimme über einem muskulös rockenden Track, der stoisch und mit festem Schritt seinen eigenen Weg geht.
Das soll nicht so sein, sagen sie. Wir sollen tun, was unserer Rolle entspricht. Dieses Märchen scheint Sinems Erzählerin in „Masal“ den Leuten aber nicht mehr abzunehmen: Ein braves, höfliches, stilles, süßes Mädchen bricht aus seinem Käfig aus und verwandelt sich in ein mutiges, frei lebendes, geflügeltes Mädchen. Oder ist diese schöne Geschichte ihrer Befreiung nur ein weiteres Märchen, zu dem das Mädchen wieder nur brav nicken darf?
„Asla!“ ist ein Banger, nicht einmal zwei Minuten lang. Er handelt von einem Tabu, das eher Frauen trifft als Männer. Man soll sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. „Niemals!“, damit das Gegenüber nicht auf die Idee kommt, dass man sich für etwas Besseres hält, weil man gewisse Talente besitzt. „Ichbewahre die geheimsten Worte. Ich teile sie nicht, niemals teile ich sie. Ich singe die schönsten Lieder. Schau mich nicht an, schau mich lieber nicht an.“
In „Agatha Christie“, dem letzten der von Sinem selbst geschriebenen Lieder auf dem Album, wird ein Suchscheinwerfer auf jene Männer geworfen, die im Schatten der patriarchalischen Verhältnisse Frauen auf der Straße mal wie nebenbei, mal ganz unverschämt anstarren und so zu Dingen machen, die es zu beurteilen und zu besitzen gilt. „Ihre Gesichter sind maskiert, verhüllt in der Dunkelheit der Seele. An jeder Ecke warten sie.“ Agatha Christie wohnte oft im Pera Hotel im Istanbuler Viertel Beyoğlu. Ebendort lebte auch Sinem zwei Jahre lang, ging jeden Tag unter den Blicken der Maskierten. Jetzt schaut sie zurück, und wirft ihre Verhüllung ab: Wir sehen euch, und wenn wir euch sehen, wird euch das Gaffen schon vergehen.
Tom Wu hat jedem Song eine eigene, individuelle Note gegeben, verschiedene Gitarristen haben ihre Riffs dazu eingespielt. „Hatun“ groovt lässig vor sich hin und spiegelt so das Selbstbewusstsein von Sinem, die selbst zu sprechen begonnen hat – poetisch und souverän. Sie nimmt sich nun auch in den Worten ihren Platz. Wer erzählt, was ist, hat das Sagen.
Hatun ist stolz auf ihre Enkelin, und ihre Enkelin ist stolz auf sie.
Ulrich Gutmair
https://www.instagram.com/sinem_band/
Wenn ihr der Kofferfabrik und den KünstlerInnen was Gutes tun wollt, könnt ihr im Vorverkauf gerne den "Kulturpreis 1" oder "Kulturpreis 2" wählen. Die Mehreinnahmen gehen an die KünstlerInnen und den Verein. Danke :- ))
Ort der Veranstaltung
Früher produzierte man hier Koffer aller Art, heute sind ambitionierte Kulturschaffende am Werk. In dem alten Industriegebäude an der Langen Straße in Fürth ist ein Zentrum für Veranstaltungen, Freizeit und Subkultur entstanden, das sich längst schon als wahrer Besuchermagnet entpuppt hat.
Die Kofferfabrik bietet eine Veranstaltungsvielfalt, die ihresgleichen sucht: Neben Theatervorführungen, Kleinkunst- und Kabarett-Abenden, Kunst-Ausstellungen und Lesungen ist die Location vor allem als Konzertbühne für die unterschiedlichsten Bands und Künstler bekannt. Nicht nur Projekte und Musiker aus der regionalen Szene haben hier einen Freiraum, in dem sie ihre Kreativität ausleben können, sondern auch internationale Größen treten in der Kofferfabrik regelmäßig auf. Auf den insgesamt vier Bühnen konnte man bereits Live-Acts von The Shanes, Ray Wilson oder Al Di Meola erleben. Nicht selten kommt es vor, dass man die Künstler dann noch in der hauseigenen Kneipe oder im Biergarten trifft und mit ihnen ins Gespräch kommen kann.
In der Kofferfabrik gibt´s alles was das Herz begehrt. Wer gute Musik, Unterhaltung, Kunst oder einfach nur ein kühles Bier mit seinen Freunden genießen will, ist hier genau an der richtigen Adresse!
Die Kofferfabrik bietet eine Veranstaltungsvielfalt, die ihresgleichen sucht: Neben Theatervorführungen, Kleinkunst- und Kabarett-Abenden, Kunst-Ausstellungen und Lesungen ist die Location vor allem als Konzertbühne für die unterschiedlichsten Bands und Künstler bekannt. Nicht nur Projekte und Musiker aus der regionalen Szene haben hier einen Freiraum, in dem sie ihre Kreativität ausleben können, sondern auch internationale Größen treten in der Kofferfabrik regelmäßig auf. Auf den insgesamt vier Bühnen konnte man bereits Live-Acts von The Shanes, Ray Wilson oder Al Di Meola erleben. Nicht selten kommt es vor, dass man die Künstler dann noch in der hauseigenen Kneipe oder im Biergarten trifft und mit ihnen ins Gespräch kommen kann.
In der Kofferfabrik gibt´s alles was das Herz begehrt. Wer gute Musik, Unterhaltung, Kunst oder einfach nur ein kühles Bier mit seinen Freunden genießen will, ist hier genau an der richtigen Adresse!