Salon kontrovers: Briefe – schreiben und lesen - ergänzen
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Veranstalter:
Frankfurter Bürgerstiftung , Justinianstraße 5, 60322 Frankfurt, Deutschland
Veranstaltungsinfos
„Dich so zu haben, wie Du bist“ – „Unser `Roman in Fortsetzung`“ – Die Brautbriefe von Sigmund Freud an Martha Bernays
Es lesen Stephan Wolf-Schönburg und Anna Kubin
Auswahl, Einführung und Moderation: Ruthard Stäblein
Die Veranstaltung findet in Erinnerung an Hanne Kulessa statt, die in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden wäre. 2014 hat sie die Reihe „Salon kontrovers: Briefe – schreiben und lesen“ ins Leben gerufen und bis zu ihrem Tod im Jahr 2022 geleitet.
Vier Jahre sind sie schon getrennt und doch nach zwei Monaten schon verlobt. Nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern hauptsächlich über Briefe lernen sie sich kennen. Als „Tortur“ bezeichnet Martha Bernays im Rückblick, als 86-Jährige, diese Zeit: „such a torture“. Schwer zu ertragen war diese Liebe auf Distanz, im Wartestand, auch für Sigmund Freud. Als sie sich 1882 im Wiener Wald zuerst begegneten, war er 26, sie 21 Jahre alt.
Und doch zündete sie mit einer Art Liebesblitz. Für uns heute kann es erhellend sein, wie sich dieses retardierende Liebesgewitter mit seinem fernen Dröhnen abregnet mit der Geburt der Psychoanalyse wie der Geburt von sechs Kindern.
Er ist eifersüchtig, leicht aufbrausend, jähzornig, Besitz ergreifend. Auch wird aus den Briefen spürbar, wie suchtgefährdet (Kokain), zerrissen, verletzbar Freud (schon) als junger Mann war.
Sie ist zögerlich, abwägend, argumentiert mit Zitaten aus Klassikern, liebevoll, verständnisbereit, alles, was man von einer jungen, gebildeten Frau damals erwartete. Die Verlobung ist heimlich. Ihre Mutter mag ihn nicht. Ihm fehle die „Form, mit Damen umzugehen“.
Beide kommen aus verarmten, kinderreichen, in ihrer Existenz bedrohten, jüdischen Familien. Sie kann einen gelehrten Oberrabbiner in ihrer Ahnengalerie nachweisen. Sein Vater war Wollhändler in Mähren, zog nach Wien, konnte aber seine acht Kinder kaum ernähren. Eins davon starb nach acht Monaten. Was bleibt ist die Bildung.
Er versucht sie umzuerziehen, — „Sei mein, wie ich mir´s denke“, ist sein anfängliches Motto — aber ihr gelingt es immer mehr im Schreiben der Briefe, sich selbst zu behaupten, auch ihre eigenen Argumente und Ideen, z.B. über das „Unbewußte“, das sie aus ihrem Lektüreschatz einführt, ins Feld zu führen. Er reift mit ihr- und vertraut darauf: „Du wirst mir eine Mitarbeiterin in den ernstesten Dingen werden.“ Er akzeptiert endlich: „Dich so zu haben, wie Du bist.“
Aber es wird nicht nur ernsthaft diskutiert in diesen Briefen, sondern sie sind getragen von Verwünschungen, Anklagen, Ultimaten, Entschuldigungen, Versöhnungen und wiederholten Liebesschwüren. Eben Liebesgewitter.
Die Heirat findet 1886 in Wandsbek statt, wo Matha Bernays Familie wohnte. Sie wird in die traditionelle Frauenrolle zurückgedrängt und nimmt sie an. Sie kümmert sich um die Kinder, um ihn, um die Familie. Ihre Schwester wird mit in den Haushalt einbezogen, wohnt auch bei ihnen. Aber auch er ist um seine Familie besorgt, schreibt vor allem der ältesten Tochter Anna verständnisbereite Briefe.
Nur von Martha Bernays gibt es nach der Hochzeit zu wenige schriftliche Zeugnisse. So kann mit der fünfbändigen (!) Publikation des Briefwechsels, der im Jahr 2025 abgeschlossen wurde, endlich auch sie auftauchen und in ihrem Dialog mit ihrem Verlobten im „Salon kontrovers“ im Frankfurter Holzhausenschlösschen gehört werden.
Es lesen Stephan Wolf-Schönburg und Anna Kubin
Auswahl, Einführung und Moderation: Ruthard Stäblein
Die Veranstaltung findet in Erinnerung an Hanne Kulessa statt, die in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden wäre. 2014 hat sie die Reihe „Salon kontrovers: Briefe – schreiben und lesen“ ins Leben gerufen und bis zu ihrem Tod im Jahr 2022 geleitet.
Vier Jahre sind sie schon getrennt und doch nach zwei Monaten schon verlobt. Nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern hauptsächlich über Briefe lernen sie sich kennen. Als „Tortur“ bezeichnet Martha Bernays im Rückblick, als 86-Jährige, diese Zeit: „such a torture“. Schwer zu ertragen war diese Liebe auf Distanz, im Wartestand, auch für Sigmund Freud. Als sie sich 1882 im Wiener Wald zuerst begegneten, war er 26, sie 21 Jahre alt.
Und doch zündete sie mit einer Art Liebesblitz. Für uns heute kann es erhellend sein, wie sich dieses retardierende Liebesgewitter mit seinem fernen Dröhnen abregnet mit der Geburt der Psychoanalyse wie der Geburt von sechs Kindern.
Er ist eifersüchtig, leicht aufbrausend, jähzornig, Besitz ergreifend. Auch wird aus den Briefen spürbar, wie suchtgefährdet (Kokain), zerrissen, verletzbar Freud (schon) als junger Mann war.
Sie ist zögerlich, abwägend, argumentiert mit Zitaten aus Klassikern, liebevoll, verständnisbereit, alles, was man von einer jungen, gebildeten Frau damals erwartete. Die Verlobung ist heimlich. Ihre Mutter mag ihn nicht. Ihm fehle die „Form, mit Damen umzugehen“.
Beide kommen aus verarmten, kinderreichen, in ihrer Existenz bedrohten, jüdischen Familien. Sie kann einen gelehrten Oberrabbiner in ihrer Ahnengalerie nachweisen. Sein Vater war Wollhändler in Mähren, zog nach Wien, konnte aber seine acht Kinder kaum ernähren. Eins davon starb nach acht Monaten. Was bleibt ist die Bildung.
Er versucht sie umzuerziehen, — „Sei mein, wie ich mir´s denke“, ist sein anfängliches Motto — aber ihr gelingt es immer mehr im Schreiben der Briefe, sich selbst zu behaupten, auch ihre eigenen Argumente und Ideen, z.B. über das „Unbewußte“, das sie aus ihrem Lektüreschatz einführt, ins Feld zu führen. Er reift mit ihr- und vertraut darauf: „Du wirst mir eine Mitarbeiterin in den ernstesten Dingen werden.“ Er akzeptiert endlich: „Dich so zu haben, wie Du bist.“
Aber es wird nicht nur ernsthaft diskutiert in diesen Briefen, sondern sie sind getragen von Verwünschungen, Anklagen, Ultimaten, Entschuldigungen, Versöhnungen und wiederholten Liebesschwüren. Eben Liebesgewitter.
Die Heirat findet 1886 in Wandsbek statt, wo Matha Bernays Familie wohnte. Sie wird in die traditionelle Frauenrolle zurückgedrängt und nimmt sie an. Sie kümmert sich um die Kinder, um ihn, um die Familie. Ihre Schwester wird mit in den Haushalt einbezogen, wohnt auch bei ihnen. Aber auch er ist um seine Familie besorgt, schreibt vor allem der ältesten Tochter Anna verständnisbereite Briefe.
Nur von Martha Bernays gibt es nach der Hochzeit zu wenige schriftliche Zeugnisse. So kann mit der fünfbändigen (!) Publikation des Briefwechsels, der im Jahr 2025 abgeschlossen wurde, endlich auch sie auftauchen und in ihrem Dialog mit ihrem Verlobten im „Salon kontrovers“ im Frankfurter Holzhausenschlösschen gehört werden.
Ort der Veranstaltung
Das Holzhausenschlösschen im Frankfurter Nordend gehört zu den schönsten Kulturorten der Stadt. Das barocke Wasserschloss wurde zwischen 1727 und 1729 von der Patrizierfamilie von Holzhausen errichtet. Sein letzter männlicher Nachkomme, Adolph von Holzhausen, vermachte Schloss und Park der Stadt mit dem Wunsch, das Anwesen für kulturelle und wissenschaftliche Zwecke zu nutzen.
Aus diesem Gedanken heraus wurde 1989s die Frankfurter Bürgerstiftung, die seither im Holzhausenschlösschen ihren Sitz hat gegründet. Sie bewahrt das Haus als offenen Ort der Begegnung und veranstaltet jährlich rund 300 kulturelle Events – darunter klassische Konzerte, Jazz, Lesungen, Vorträge, Angebote für Kinder sowie Ausstellungen. Zudem engagiert sich die Stiftung in Bildungs-, Sozial- und Umweltprojekten.
Das Schlösschen ist leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar oder zu Fuß in etwa 20 Minuten von der Innenstadt. Seit 2014 ist der Veranstaltungsort vollständig barrierefrei ausgestattet und verfügt über Rampe, Aufzug, barrierefreies WC und eine begrenzte Zahl an Rollstuhlplätzen.
Aus diesem Gedanken heraus wurde 1989s die Frankfurter Bürgerstiftung, die seither im Holzhausenschlösschen ihren Sitz hat gegründet. Sie bewahrt das Haus als offenen Ort der Begegnung und veranstaltet jährlich rund 300 kulturelle Events – darunter klassische Konzerte, Jazz, Lesungen, Vorträge, Angebote für Kinder sowie Ausstellungen. Zudem engagiert sich die Stiftung in Bildungs-, Sozial- und Umweltprojekten.
Das Schlösschen ist leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar oder zu Fuß in etwa 20 Minuten von der Innenstadt. Seit 2014 ist der Veranstaltungsort vollständig barrierefrei ausgestattet und verfügt über Rampe, Aufzug, barrierefreies WC und eine begrenzte Zahl an Rollstuhlplätzen.