
von Nis-Momme Stockmann | Uraufführung / Auftragswerk
Er zog einen wortwörtlichen Schlussstrich in sein Tagebuch und aus Hans Schneider – SS-»Hauptsturmführer« und stellvertretender Direktor der SS-Organisation »Ahnenerbe« – wurde Hans Schwerte: linksliberaler Germanist, »Faust«-Experte, Bundesverdienstkreuz-Träger und Rektor der RWTH Aachen. Erst 1995 machte er selbst, unter Druck geraten, seinen Betrug öffentlich: Schneider hatte sich nach 1945 für tot erklären lassen,
eine neue Identität angenommen, seine eigene Witwe geheiratet und »einfach so« ein zweites Leben bekommen, eine zweite Karriere, eine weiße Weste. Der Fall Schwerte ist kein Einzelfall – Schätzungen gehen von bis zu 80 000 NS-Verbrechern aus, die ihre Identität fälschten und in der BRD im Untergrund lebten,
unterstützt von alten Seilschaften und Familienmitgliedern. Das »kollektive Beschweigen« des Abgrunds der NS-Zeit deckte vor allem die Täter. Was bedeutet uns diese Geschichte heute? Wie schauen wir auf die Handlungsmöglichkeiten von Menschen in einem politischen System der Grausamkeit, zwischen Erdulden, Mitmachen oder Widerstand? Und wie würden wir uns entscheiden – für welche Version unseres Selbst? Das neue Stück von Nis-Momme Stockmann nimmt den »Fall Schwerte« als Ausgangspunkt für eine Geschichte über persönliche Schuld und Unschuld, politische Verantwortung und Kontinuität.
EN ↦ In 1995, it was revealed that the renowned postwar scholar Hans Schwerte had built his career on a false identity after serving as an SS officer during the Nazi era. Nis-Momme Stockmann’s new play uses this case to examine guilt, responsibility, and the persistence of the past.
Er zog einen wortwörtlichen Schlussstrich in sein Tagebuch und aus Hans Schneider – SS-»Hauptsturmführer« und stellvertretender Direktor der SS-Organisation »Ahnenerbe« – wurde Hans Schwerte: linksliberaler Germanist, »Faust«-Experte, Bundesverdienstkreuz-Träger und Rektor der RWTH Aachen. Erst 1995 machte er selbst, unter Druck geraten, seinen Betrug öffentlich: Schneider hatte sich nach 1945 für tot erklären lassen,
eine neue Identität angenommen, seine eigene Witwe geheiratet und »einfach so« ein zweites Leben bekommen, eine zweite Karriere, eine weiße Weste. Der Fall Schwerte ist kein Einzelfall – Schätzungen gehen von bis zu 80 000 NS-Verbrechern aus, die ihre Identität fälschten und in der BRD im Untergrund lebten,
unterstützt von alten Seilschaften und Familienmitgliedern. Das »kollektive Beschweigen« des Abgrunds der NS-Zeit deckte vor allem die Täter. Was bedeutet uns diese Geschichte heute? Wie schauen wir auf die Handlungsmöglichkeiten von Menschen in einem politischen System der Grausamkeit, zwischen Erdulden, Mitmachen oder Widerstand? Und wie würden wir uns entscheiden – für welche Version unseres Selbst? Das neue Stück von Nis-Momme Stockmann nimmt den »Fall Schwerte« als Ausgangspunkt für eine Geschichte über persönliche Schuld und Unschuld, politische Verantwortung und Kontinuität.
EN ↦ In 1995, it was revealed that the renowned postwar scholar Hans Schwerte had built his career on a false identity after serving as an SS officer during the Nazi era. Nis-Momme Stockmann’s new play uses this case to examine guilt, responsibility, and the persistence of the past.
Quelle: Stadttheater Aachen