Bild: Ausstellung: Hommage zum 100. | Schüler:innen Wolfgang Mattheuers

Ausstellung: Hommage zum 100. | Schüler:innen Wolfgang Mattheuers

Weinholdstraße 7
08468 Reichenbach im Vogtland
Veranstalter: Förderverein Kunsthalle Vogtland e.V. , Weinholdstraße 7, 08468 Reichenbach im Vogtland, Deutschland

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Eintritt frei

Veranstaltungsinfos

Wolfgang Mattheuers Bedeutung als Lehrer steht erstmals überhaupt im Zentrum einer Ausstellung. Die Reichenbacher Schau anlässlich des 100. Geburtstages nimmt Wolfgang Mattheuers Wirken als inspirierender Künstlerpädagoge an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig in den Blick. 15 künstlerische Positionen, darunter die von fünf Künstlerinnen, werden in der Kunsthalle Vogtland im Neuberinhaus vorgestellt. Eine konzentrierte Auswahl von zirka 45 malerischen, zeichnerischen und druckgrafischen Arbeiten verdeutlicht die inspirierende Wirkung des Jubilars auf die jüngere Generation(en) in einer künstlerischen wie politisch-philosophischen Dimension. Einerseits zeigt die Ausstellung prominente ostdeutsche Künstlerinnen und Künstler, die nach ihrem Studium bei Wolfgang Mattheuer selbst zu wesentlichen Protagonisten der Leipziger Schule und Hochschullehrern in der einflussreichen Institution werden sollten. Zu ihnen gehören etwa die in den 1940er Jahren geborenen Sighard Gille, Wolfgang Peuker und Doris Ziegler. Andererseits verdeutlicht die Auswahl das breite Spektrum von Künstlerinnen und Künstlern, die vom alltagsnahen und gesellschaftskritischen Bildprogramm ihres Lehrers maßgeblich geprägt wurden. Zu diesen zählen der in Halle (Saale) lebende Maler und Grafiker Uwe Pfeifer, bei dem es sich um den wichtigsten Schüler Wolfgang Mattheuers handelt, sowie Malerinnen und Maler wie Brigida Böttcher, Jürgen Schäfer, Hans Hendrik Grimmling, Wolfram Ebersbach und Gudrun Pontius.

Die Ausstellung zeigt vielfältige künstlerische Perspektiven und erschöpft sich nicht in motivischen Adaptionen. Somit wird nachvollziehbar, dass Wolfgang Mattheuers Wirkung auf die nachkommenden Künstlergenerationen auf der Vermittlung einer modellhaften und (selbst-)kritischen Künstlerrolle basierte. Diese ließ sich nicht auf elitäre Refugien beschränken und war strikt auf gesellschaftliche Partizipation ausgerichtet. Ihr angestrebter Wirkungsraum blieb der soziale Raum sowie der Status quo des politischen Projektes, dessen Aufstieg, Etablierung und Absturz dieser Künstler in eingreifender Form in und nach dem Ende der DDR begleitete. Aus diesem Grund lässt sich das generationsübergreifende Netzwerk von Lehrer und Schülern nicht allein durch thematische Reminiszenzen verdeutlichen – wie das etwa in der Varianz des von Wolfgang Mattheuer in die ostdeutsche Kunstgeschichte eingebrachten Ikarus-Motivs deutlich wird. Hingegen zeigen die ausgewählten Arbeiten dieser Ausstellung, dass es wie beim Leipziger Maler auch bei „Mattheuers Schülern“ um Kunst als Zeitgenossenschaft im Sinne einer nichtideologischen Lebenshaltung geht. Im Zentrum der versammelten Arbeiten steht die gesellschaftliche Reflexion in figurativ-realistischen Stilformen, welche sich sowohl an der Darstellung des Menschenbildes als auch an den regionalen Traditionsbezügen orientiert.

Wolfgang Mattheuers Rolle als Lehrer war an seine wechselnden Positionen an der Hochschule für Grafik und Buchkunst gebunden. Anders als seine Kollegen – und Mit-Gründungsväter der Leipziger Schule – Bernhard Heisig und Werner Tübke, die bis zur „Wende“ 1989/90 an der Hochschule unterrichteten und zeitweilig Rektorenämter innehatten, beendete Mattheuer bereits 1974 seine 1953 begonnene Lehrtätigkeit an der Einrichtung, wo er zuletzt Leiter einer Fachklasse für Malerei und Grafik war. Als freiberuflicher Künstler hielt Wolfgang Mattheuer nach seinem Ausscheiden aus der Hochschule weiterhin Kontakt zu seinen einstigen Schülern und wurde für viele von ihnen zu einem langjährigen Wegbegleiter. In diesen Beziehungen herrschte ein dialektisches Prinzip, das Kritik und Empathie als einen Zusammenhang der gegenseitigen Wertschätzung begriff. Dieses besondere Netzwerk wird in der Reichenbacher Ausstellung rekonstruiert und durch eindrucksvolle Werke verdeutlicht. Im Reigen der Mattheuer-Ehrungen 2027 erscheint dieser Aspekt um so wichtiger, da die Exposition die Anschlussfähigkeit des Bildprogramms von Wolfgang Mattheuer und der in seinen künstlerischen Werken aufscheinenden gesellschaftlichen Fragestellungen für die Gegenwart nutzbar macht.

Michael Kretschmer, der sächsischer Ministerpräsident, ist Schirmherr des Projektes "100 Jahre Wolfgang Mattheuer | Ein Bildermacher zwischen Heimat und Weltkunst"

Ort der Veranstaltung

Das Neuberinhaus in Reichenbach im Vogtland gilt als das zentrale Kultur- und Veranstaltungshaus der sächsischen Region. Benannt nach der in Reichenbach geborenen Theaterpionierin Friederike Caroline Neuber, führt die Spielstätte das künstlerische Erbe ihrer Namenspatronin fort und verbindet historische Tradition mit einem zeitgemäßen Eventprogramm. Als soziokulturelles Zentrum etabliert, bietet das Haus einen festen Rahmen für professionelle Theateraufführungen, Konzerte, Kabarettabende, Ausstellungen und Tagungen.

Neben namhaften Gastspielen und Tourneeproduktionen prägt starkes ehrenamtliches Engagement das tägliche Geschehen. Die flexibel nutzbaren Säle machen das Neuberinhaus zu einem Treffpunkt für alle Generationen, an dem regionale Vereine, Initiativen und Kulturschaffende aktiv zusammenarbeiten. Ob Sinfoniekonzerte, moderne Bühnenshows, Lesungen oder Bürgerforen – die Räumlichkeiten sind für ein breites Spektrum an Formatgrößen ausgelegt. Die Einrichtung versteht sich dabei als offener Raum für gesellschaftlichen Austausch, bei dem soziokulturelle Teilhabe und das gemeinsame Gestalten von Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen.

Mit seiner zentralen Lage und vielseitigen Infrastruktur gehört das Neuberinhaus zu den wichtigsten Säulen des kulturellen Lebens in Südwestsachsen. Es liegt etwa 15 Gehminuten vom Reichenbacher Bahnhof entfernt. Wer mit dem Auto anreist findet in der Umgebung öffentliche kostenpflichtige Parkplätze.
Neuberinhaus
Weinholdstraße 7
08468 Reichenbach im Vogtland
Neuberinhaus