Volk unter Verdacht - Dokumentarisches Musiktheater

Holzmarktstr. 33
10243 Berlin

Tickets ab 20,80 €
Ermäßigung verfügbar

Veranstalter: RADIALSYSTEM V GmbH, Holzmarktstr. 33, 10243 Berlin, Deutschland

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Veranstaltungsinfos

Volk unter Verdacht
Dokumentarisches Musiktheater

DO 14. Dezember 18.30 Uhr Gespräch: Jürgen Fuchs - seine Gedichte, sein Leben
20 Uhr Uraufführung
FR 15. SA 16. Dezember 20 Uhr
S0 17. Dezember 18 Uhr

Gäste Gespräch Lilo Fuchs, Roland Jahn und Hubertus Knabe
Moderation Helmuth Frauendorfer

Konzept, Künstlerische Leitung und Regie Ulrike Ruf
Konzept und Komposition Iris ter Schiphorst
Bühne und Kostüm Sabine Hilscher

Vocalconsort Berlin
Sopran Katja Kunze, Viola Wiemker und Susanne Wilsdorf
Alt Jennifer Gleinig, Wiebke Kretzschmar und Anna-Luise Oppelt
Tenor Martin Fehr, Hans-Dieter Gilleßen und Philipp Neumann
Bariton Simon Berg, Kai-Uwe Fahnert und Tobias Müller-Kopp
Bass Jakob Ahles, Thomas Heiß und Frank Schwemmer

Choreinstudierung Ralf Sochaczewsky
Dramaturgie Ilka Seifert
Lichtdesign und Technische Leitung Jörg Bittner
Video Christina Voigt
Sounddesign Florian Tippe
Produktionsleitung Inge Zysk

Misstrauen, Kollaboration, Weigerung und Aufbegehren: Nichts war in der DDR so geheim und so folgenschwer wie die Arbeitsweise der Staatssicherheit. Unzählige Mitarbeiter und Informanten trugen Datenmengen zusammen, deren Hinterlassenschaft heute einen Einblick in das perfide System "Stasi" gibt. Das dokumentarische Musiktheaterstück "Volk unter Verdacht" der Regisseurin Ulrike Ruf und der Komponistin Iris ter Schiphorst setzt sich anhand von Originaldokumenten aus Archiven der Stasiunterlagen-Behörde (BStU) mit dem DDR-Apparat auseinander. Im Zentrum stehen Auszüge aus den dokumentarisch-literarischen Erinnerungsprotokollen aus der Haft des Dissidenten Jürgen Fuchs. Zusammen mit Dokumenten der Stasi-Akten verdeutlichen sie die Brisanz der massenhaften Überwachung für den einzelnen Menschen und zeigen, wie die Arbeitsweise der Stasi ein Klima von Angst und Misstrauen schuf. Als 15-köpfiger Chor bildet das Vocalconsort Berlin die Gesellschaft zwischen Individuum und Kollektiv ab. Der Chor interagiert musikalisch und szenisch mit den projizierten Originalvideos und -tondokumenten sowie mit den Kompositionen von Iris ter Schiphorst. Das Publikum erfährt sich selbst sowohl in Täter- als auch Opferposition, wenn es die Perspektive eines Stasi-Mitarbeiters einnimmt oder den bohrenden Fragen eines Vernehmers ausgesetzt ist. In einem partizipativen Prozess verhandelt "Volk unter Verdacht" die Tragweiten und gesellschaftlichen Auswirkungen der systematischen Überwachung in der DDR - und lenkt den Blick gleichzeitig auf die heutige Alltäglichkeit massenhafter Datensammlung.

Am 14. Dezember spricht Helmuth Frauendorfer vor der Uraufführung von "Volk unter Verdacht" mit Lilo Fuchs, Roland Jahn, dem Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes, und Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, über Leben und Werk von Jürgen Fuchs.

Ulrike Ruf arbeitet als Musikerin, Autorin und Regisseurin im Grenzbereich zwischen Musik, Performance und Theater. In ihren interdisziplinären Musiktheaterformaten verwebt sie Klang, Sprache und Video mit minimalistischer Choreographie. Geboren in Berlin, studierte sie Violoncello an der HfM "Hanns Eisler Berlin" bei Michael Sanderling und Josef Schwab. Sie spielte regelmäßig im Konzerthausorchester Berlin und konzertierte auf Festivals wie MaerzMusik und dem Schleswig-Holstein-Musikfestival. Prägend für ihren künstlerischen Werdegang war die Zusammenarbeit mit Johann Kresnik und seinem Choreographischen Theater, in dessen Produktionen "BSE - Garten der Lüste" (2001) und "Picasso" (2002) sie an der Volksbühne Berlin als Cellistin und Darstellerin mitwirkte. Mit Guillermo Gómez-Peña entwickelte sie im Rahmen des Festivals MEXartes (2002) die Performance "Mexotica" für die Volksbühne. Bei LaborGras Berlin war sie seit 2009 regelmäßig in der Reihe "Improvisations" u.a. mit Renate Graziadei, Susanne Linke, Anna Huber und Mitgliedern von Sasha Waltz & Guests zu erleben. 2010 erhielt sie für Recherche und Entwicklung des Musiktheaterstücks "SORORI" das Elsa-Neumann-Stipendium des Landes Berlin. 2011 wurde "SORORI" im Rahmen der Klangwerkstatt Berlin mit dem Vocalconsort Berlin uraufgeführt. In "SMER - The Riot of Seduction" in Zusammenarbeit mit dem Solistenensemble Kaleidoskop war sie auf dem Klarafestival in Antwerpen zu erleben. Für die Arbeit an dem dokumentarischen Musiktheaterprojekt "Volk unter Verdacht" erhielt sie das Recherchestipendium des Berliner Senats 2016.

Iris ter Schiphorst wurde in Hamburg geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Pianistin studierte sie Theater-, Kulturwissenschaften und Philosophie in Berlin. Gleichzeitig befasste sie sich mit elektronischer Musik und Sample-Techniken und gewann 1992 den ersten Preis des Kompositionswettbewerbs für Synthesizer- und Computermusik. 1990 gründete sie das Ensemble intrors, mit dem sie 1997 Preisträgerin des Kompositionswettbewerbs Blaue Brücke wurde. In den Jahren 1996 bis 2001 verband sie eine intensive Zusammenarbeit mit dem Komponisten Helmut Oehring. Ihr Orchesterstück "Ballade für Orchester: Hundert Komma Null" erhielt im Jahr 2001 eine Nominierung für den Prix Italia, ihr Ensemblestück "Zerstören" wurde für die World Music Days 2007 in Hongkong nominiert. Beim Internationalen Komponistinnenwettbewerb 2008 wurde ihr Duo "Miniaturen für Cello und Akkordeon" mit dem Sonderpreis der Jury ausgezeichnet. Seit 2013 ist sie Mitglied der Akademie der Künste Berlin. 2015 erhielt sie den Heidelberger Künstlerinnenpreis. 2015/16 war sie Stipendiatin der Villa Concordia in Bamberg. Ihr Werkverzeichnis umfasst alle Gattungen, darunter acht große Orchesterwerke, die mit namhaften Orchestern im In- und Ausland zur Uraufführung gelangten. Ihre Werke wurden auf Festivals weltweit uraufgeführt, u.a. in Paris, Amsterdam, Porto, London, New York und Buenos Aires. Seit dem Wintersemester 2015/16 hat sie eine Professur für Medienkomposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien inne.

Das Vocalconsort Berlin gilt als einer der besten und flexibelsten Chöre Deutschlands. 2003 gegründet und damit der jüngste der drei Profichöre Berlins, hat das Vocalconsort keinen Chefdirigenten, sondern arbeitet projektweise mit unterschiedlichen Dirigenten, aber vor allem mit festen künstlerischen Partnern wie Daniel Reuss, Folkert Uhde und Sasha Waltz zusammen. Wandlungsfähig in Besetzung und Repertoire und mit beeindruckender Homogenität, konnte das Vocalconsort Berlin Erfolge auf ganz unterschiedlichen Gebieten feiern: von Monteverdis "L´Orfeo" unter René Jacobs bei den Innsbrucker Festwochen über Haydns "Vier Jahreszeiten" unter Christopher Moulds in Rotterdam und Bernsteins "A Quiet Place" unter Kent Nagano bis hin zu Peter Ruzickas "Inseln, Randlos" unter Leitung des Komponisten selbst. Für die Aufnahme des zweiten Buchs von Gesualdos "Sacrae Cantiones" unter James Wood erhielt das Vocalconsort Berlin 2013 den ECHO Klassik. Das Vocalconsort Berlin ist regelmäßig in den Musikmetropolen und auf den großen Festivals Europas präsent, es arbeitete bereits mit Dirigenten wie Marcus Creed, Jos van Immerseel, Iván Fischer oder Pablo Heras-Casado zusammen. 2017 eröffnete das Vocalconsort Berlin mit Sasha Waltz & Guests in einer choreografischen und musikalischen Raumerkundung die Elbphilharmonie Hamburg.

Sabine Hilscher studierte Bildende Kunst und Kostümbild an der Universität der Künste Berlin. Sie arbeitet international als Bühnen- und Kostümbildnerin für Oper, Schauspiel und Musiktheater sowie für Bilder-, Objekt- und Puppentheaterinszenierungen. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind vor allem Aufführungen im Bereich neue Musik und Musiktheater sowie die Arbeit an der Grenze von Bildender Kunst, Installation und Theater sowie die Bespielung und Inszenierung besonderer Orte. Von 2001 bis 2011 war sie festes Mitglied (Schauspiel, Gesang, Ausstattung) des Berliner Musiktheaterensembles leitundlause, das eigene Stücke produzierte. 2012 führte sie erstmals selbst Regie für ein Musiktheaterstück für Kinder am Konzerthaus Berlin und der Philharmonie Köln. Seit 2004 nimmt sie verschiedene Lehr- und Werkaufträge für Kostüm, Bühne und Performance an der Hochschule für Bildende Kunst Braunschweig, der Universität der Künste Berlin und der Universität Hildesheim wahr.

Eine Produktion von Ulrike Ruf. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin. Mit freundlicher Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung. In Kooperation mit RADIALSYSTEM V. Mit Dank an Lilo Fuchs, den Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR und die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.

Foto: Vocalconsort | © Kristof Fischer

Ort der Veranstaltung

RADIALSYSTEM V
Holzmarktstr. 33
10243 Berlin
Deutschland
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Bild des Veranstaltungsortes

Ein altes Fabrikgebäude direkt an der Spree lockt seit mehreren Jahren die Berliner Konzertbesucher in seine Hallen. Das „Radialsystem V“ beinhaltet mehrere Bühnen auf denen die hauseigenen Ensembles oder Künstler aus aller Welt auftreten.

Das Bauwerk diente bis Ende der 1990er noch als Abwasserpumpsystem. Erst mit der Sanierung und Umgestaltung des Hauses gewann man den Raum für Kunst. Mittlerweile beherbergt das „Radialsystem V“ vier freie Ensembles. „Die Akademie für Alte Musik Berlin“, „Sasha Waltz& Guests“, das „Solistenensemble Kaleidoskop“ und „Vocalconsort Berlin“ sorgen für den Kern des künstlerischen Programms. Mit zusätzlichen Konzerten und Projekten wird das Programm vollends abgerundet. Hinzu kommt, dass der Gebäudekomplex flexibel ist und somit auch Platz für andere Veranstaltung bieten kann. Ob Ausstellungskörper, Tanzlabyrinth, Kongress- oder Messehalle. Das Radialsystem V“ ist für alles zu haben.

So entwickelt sich das denkmalgeschützte Gebäude zu einem der wichtigen Kultur- und Konzertinstitutionen in Berlin und Deutschland. Erleben Sie Konzerte am Spreeufer im Licht der untergehenden Sonne.