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Tax for free - Stream

Helge Schmidt und Team  

Online-Veranstaltung
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Event organiser: LICHTHOF Theater gGmbH, Bahrenfelder Chaussee 14, 22761 Hamburg, Deutschland

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Das Theaterstück „Tax for free - Scholz und Tschentscher geben einen aus und Michael Kohlhaas wundert sich“ erzählt die Chronik eines politischen Skandals: Der Stadtstaat Hamburg fordert 2017 von der Privatbank M.M. Warburg & CO 47 Millionen Euro Steuergeld zurück. Dieser Betrag wurde mutmaßlich durch Cum-Ex-Geschäfte zu Unrecht vom Fiskus erstattet. Dann jedoch trifft sich der Mitinhaber der Bank mit dem Regierenden Bürgermeister Olaf Scholz. Innerhalb weniger Tage entscheidet sich die Finanzbehörde unter Senator Peter Tschentscher dazu, auf die Erstattung zu verzichten. Was damals besprochen wurde, will heute keiner mehr wissen.

Zeitsprung: Im 16. Jahrhundert bringt Junker Wenzel von Tronka Michael Kohlhaas zunächst wegen willkürlicher Steuern um zwei Pferde und verhindert mittels seiner Beziehungen zur Macht dessen Klage bei Gericht. Der Rosshändler Kohlhaas, Heinrich von Kleists "Don Quijote bürgerlicher Moral" (Ernst Bloch), entfacht einen Krieg der Gerechtigkeit.

Wann ist ein System so ungerecht, dass wir auf die Barrikaden müssen? In Zusammenarbeit mit Investigativ-Journalist Oliver Schröm (ARD-Magazin Panorama) und seinen Kolleg*innen hinterfragt „Tax for free“ am Beispiel der Verwicklungen von Olaf Scholz, Peter Tschentscher und der Warburg Bank die Legitimation von demokratischen Prozessen.

2018 deckte eine Investigativ-Recherche zu Cum-Ex-Geschäften den größten Steuerskandal in der Geschichte Europas auf: Mindestens 55 Milliarden Euro ließen sich Investor*innen, Banken und Spekulant*innen durch den Dreieckshandel von Aktien zu Unrecht vom Fiskus erstatten. Zwei Jahre später stehen einige Akteur*innen vor Gericht, die Machenschaften aber längst nicht mehr im Fokus der Öffentlichkeit. Dabei sind nach wie vor viele Fragen offen: Was wusste die Politik? Wurde bewusst weggeschaut? Standen die Reichen gar über der Allgemeinheit?

Gerahmt von Interviews mit Politiker*innen, Journalist*innen und Nichtregierungsorganisationen beschreibt die Inszenierung „Tax for free - Scholz und Tschentscher geben einen aus und Michael Kohlhaas wundert sich“ anhand dokumentarischen Materials eindrucksvoll die Nähe von Finanzwirtschaft und Politik. Inhaltlich und personell knüpft das Stück dabei an die mit dem Deutschen Theaterpreis FAUST ausgezeichneten „Cum-Ex Papers“ (Uraufführung 2018) an, stellt mit Rückgriff auf Heinrich von Kleists tragische Figur Michael Kohlhaas nun aber die Frage: Wann ist ein System so ungerecht, dass Bürger:innen sich wehren müssen?

Helge Schmidt und Team arbeiten an dokumentarischen Formaten für das Sprechtheater. Die Chance im Selbstauftrag Kunst zu machen, möchten sie erhalten und nutzen, indem sie die politische und moralische Funktion des Theaters schärfen und zurückerobern. Eine Erneuerung des dokumentarischen Theaters ist das Ziel, die Bühne das Mittel der Wahl.

Hintergrund:
Die Aufarbeitung des Cum-Ex-Skandals beschäftigt inzwischen auch die Hamburger Bürgerschaft. Im Oktober 2020 installierte das Länderparlament einen Untersuchungsausschuss zur "Klärung der Frage, warum der Hamburger Senat und die Hamburger Steuerverwaltung bereit waren, Steuern in Millionenhöhe mit Blick auf Cum-Ex-Geschäfte verjähren zu lassen und inwieweit es dabei zur Einflussnahme zugunsten der steuerpflichtigen Bank und zum Nachteil der Hamburgerinnen und Hamburger kam".

Von und mit: Jonas Anders, Ruth Marie Kröger, Günter Schaupp und Laura Uhlig / Regie und Fassung: Helge Schmidt / Ausstattung: Atelier Lanika (Anika Marquardt und Lani Tran-Duc) / Video: Jonas Link / Musik: Frieder Hepting / Körperarbeit: Jonas Woltemate / Lichtdesign: Sönke C. Herm / Produktionsleitung: Zwei Eulen (Kaja Jakstadt) / Assistenz und künstlerische Mitarbeit: Judith Weßbecher / Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Andreas Joos

Eine Produktion von Helge Schmidt und Team in Koproduktion mit dem LICHTHOF Theater Hamburg, dem asphalt Festival Düsseldorf und dem TD Berlin.

Gefördert durch: Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Rosa Luxemburg Stiftung, Rudolf Augstein Stiftung, LICHTHOF Stiftung, Gemeinnützige Treuhandstelle Hamburg

Supported by Probebühne im Gängeviertel

Foto: Judith Weßbecher

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