Literatur im Archiv

Eros des Briefeschreibens - mit Friederike Kreuzen und Matthias Zschokke

«Postkarten sind Botenstoffe», schreibt Friederike Kretzen, sich einer Metapher aus der Chemie bedienend; auch Briefe sind sprachliche Lock- und Abwehrstoffe, die zwei Menschen miteinander über Zeit und Raum hinweg in Beziehung setzen. Das gilt ganz allgemein, und in besonderer Form für Robert Walsers Briefe an Frieda Mermet: Er entwickelt eine artistische Äquilibristik der erotischen Anzüglichkeit und zurückweisenden Provokation, begleitet von einem Tauschgeschäft oder gegenseitigen «Fütterungsritual» (P. von Matt) aus Lebensmitteln und Prosastückli. Es ist die textuelle Vermittlung und zeitliche Verzögerung, die die imaginäre Berührung des brieflichen Gegenübers erlaubt. Zugleich nähert sich das Medium des Briefes jenem Simulationsraum, den literarische Werke immer wieder neu entwerfen und besetzen. Sind Briefe literarische Werke für einzelne Leser? Worin liegt der Reiz des Briefeschreibens? Dies wird vielleicht am deutlichsten erkennbar im Epochenumbruch. «Irgendwie bin ich drin, verstehe aber nicht, wie», beginnt Matthias Zschokke sein E-Mail-Buch Lieber Niels; mit dem Eintritt in die digitale Welt vollzieht sich ein Medien¬wechsel, der die schriftliche Kommunikation zwischen den Menschen enorm dynamisiert, zugleich wohl auch entwertet. Am Ende der Ära des privaten Briefes stellt sich in der Beobachtung seines Verschwindens die Frage, was er uns bedeutet hat.

Quelle: Schweizerische Nationalbibliothek

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