Kettcar - live 2018

Lindenstraße 24a
49808 Lingen (Ems)

Tickets ab 34,35 €
Ermäßigung verfügbar

Veranstalter: EmslandArena Lingen, Lindenstr. 24, 49808 Lingen (Ems), Deutschland

Anzahl wählen

Stehplatz Innenraum

Normalpreis

je 34,35 €

Begleitperson für Schwerbehinderte

je 0,00 €

Sitzplatz Tribühnenring

Normalpreis

je 34,35 €

Begleitperson für Schwerbehinderte

je 0,00 €

Summe 0,00 €
Preise inkl. Mwst. zzgl. Versand- und Servicegebühren

Ermäßigungsinformationen

Rollstuhlfahrer/Schwerbehinderte mit B im Ausweis zahlen den Normalpreis, die Begleitperson erhält freien Eintritt mit separater Karte.
print@home
Postversand

Veranstaltungsinfos

Oft merkt man nicht, dass etwas fehlt. Dass da eine Leere ist, eine diffuse
Unzufriedenheit, die man gar nicht richtig festmachen kann.
Man merkt nicht, dass etwas fehlt - bis es dann da ist.

Genauso ist es mit der neuen KETTCAR-Platte "Ich vs. Wir".
2013 kündigte die Band eine Pause an, Marcus Wiebusch machte sich an seine
Soloplatte. Wie lange KETTCAR auf Eis gelegt würden? Vielleicht sogar für immer? Das
war damals nicht klar, und es gab nicht wenige, die das leise Ende einer großen Band
gekommen sahen.

Doch fünf Jahre später sind KETTCAR wieder da. Und zwar so richtig! Kein Herantasten,
kein sachtes Klopfen, kein bescheidenes Wir-würden-dann-auch-mal-wieder... Nein,
KETTCAR kommen mit Pauken und Trompeten und Fäusten und Megafonen und mit elf
in Songs gegossenen Ausrufezeichen. Und hauen, als ob es nichts Leichteres gäbe, ein
Album raus, wie man es hierzulande lange, sehr lange, vielleicht sogar noch nie gehört
hat. Ein Album, das Position bezieht in einer Zeit der Konturlosigkeit. Das sich Haltung
gönnt, wo Kuscheln, Kungeln und übertriebenes Verständnis vorherrscht. Das macht,
packt und angreift, wo die meisten sich doch nur wohlfühlen und arrangieren wollen.
Musiker können sich die Zeit, in der sie leben, nicht aussuchen. Nur das, worüber sie
singen. Und KETTCAR formulieren so treffend und pointiert, dass man unter jeden der
elf Songs einen fetten Haken machen will. Die haben so Recht! Das ist so wahr! Genau so
denke, sehe und fühle ich das auch! Allerdings wird dabei dem Publikum keineswegs
nach dem Mund geredet. So einfach machen sie es sich nicht, die Predigt an die
Bekehrten überlassen sie lieber anderen. Stattdessen zeigt "Ich vs. Wir" die ganze
verdammte Ambivalenz, die Leben in Deutschland im Jahr 2017 bedeutet.
Los geht es mit "Ankunftshalle" und zwei Protagonisten, die ihre Weltverzweiflung zu
lindern suchen, indem sie an Second-Hand-Gefühlen teilhaben: Am Flughafen, wo sich
die Gelandeten und die Wartenden in die Arme fallen. Eine dieser kleinen, gut
beobachteten und lebendig erzählten Kettcar-Geschichten, denkt man – bis im Refrain
der größere Bezug hergestellt wird. Denn für Sekundenbruchteile sind all diese
Menschen "keine Meute", sondern "unsere Leute". So elegant und überraschend wird
das Thema eingeführt, das diese Platte beherrscht: Es geht um die Masse und das
Individuum. Gewinner und Verlierer. Stärke und Schwäche. Meine kleine und deren
große Welt. Und um die Frage, was das eine mit dem anderen zu tun hat und was man
tun kann, wenn eine Meute aus "Egoschweinen" sich in Stellung bringt.
Es war all die Jahre natürlich immer klar, wo KETTCAR politisch stehen. Aber so konkret
und anschaulich sind sie noch nie gewesen. "Wagenburg" etwa ist eine präzise
Beobachtung der Prozesse, die sich abspielen, wenn sich der individuelle Egoismus der
Menschen summiert und zu einer Gruppe aus Angst, Uninformiertheit und mangelnder
Empathie wird. Auch KETTCAR wissen: Ein Mensch muss kein Egoschwein, eine Masse
kein Mob sein. Aber meistens sind sie es halt leider doch. In "Mannschaftsaufstellung"
hingegen nutzen KETTCAR Reporterfloskeln und Metaphern ihres Lieblingssports
Fußball, um das fiese Bild einer deutschen Nationalmannschaft zu zeichnen, die genau
das ist: deutsch und national. Logisch, dass die Pointe dann lautet: "Liebling, ich bin
gegen Deutschland".

Was also tun? Auch das klingt auf "Ich vs. Wir" an: Wenn das nächste Mal jemand
"Gutmensch" sagt, wollen KETTCAR "Den Revolver entsichern". Im Grunde ist der
Schlusspunkt des Albums ein Fanal, ein Weckruf, ein Appell: Nicht zynisch werden. Nicht
klein beigeben. Sich nicht vergraben in einer Welt, in der es keine einfachen Lösungen
gibt. Und vor allem: Sich seine Menschlichkeit bewahren. Das wusste schon Nick Lowe
vor mehr als vierzig Jahren, und es gilt heute wie damals: What's So Funny About Peace,
Love And Understanding?

Doch man muss keine Angst haben, dass es sich bei "Ich vs. Wir" um eine trockene,
soziologisch-politische Abhandlung handelt. Denn hier steckt unendlich viel Leben drin,
die Themen werden nicht aus der Vogelperspektive, sondern immer nah am Menschen
erzählt. "Sommer 89" etwa ist eine packende Kurzgeschichte über einen Fluchthelfer,
kurz vor dem Ende der DDR. Der Song spielt zwar in der Vergangenheit, handelt aber im
Grunde von der Gegenwart. Und zwar von dem Perspektivwechsel, den viele nicht
hinkriegen: Dass jede konturlose Masse zu einer Ansammlung aus Individuen, aus
Mitmenschen wird, mit müden Augen und Erschöpfung im Gesicht – wenn man nur mal
etwas näher kommt. Und sich vielleicht auf die eigene Biografie besinnt, die womöglich
ebenfalls eine Flucht beinhaltet mit der Hoffnung, am Ziel ein besseres Leben zu finden.
"Benzin und Kartoffelchips" hingegen erinnert vom Thema her an all die unglücklichen
Seelen, die Bruce Springsteen in "Nebraska" versammelt: Ein unbedachter Moment, ein
Stinkefinger vom Schicksal sorgen für 12 Monate Haft (raus nach sieben) und für den
Makel der Delinquenz, den man zusammen mit den Kumpels, die dabei waren, aber
nicht zugeschlagen haben, ein ganzes Leben lang mit sich schleppt. Der letzte Abend in
Freiheit? In Hollywood mag das für große Bilder sorgen, bei KETTCAR spürt man
hingegen die Verzweiflung, die Ratlosigkeit und den Trotz beim Versuch, einer
unmöglichen Situation Herr zu werden.

Differenzieren ohne Lavieren - KETTCAR sind Moralisten ohne Keule. Und das alles im
Format eines Popsongs, wo man aufgrund des engen Korsetts und des Platzmangels
normalerweise fast gar nicht anders kann, als mit hölzernen Hämmern auf grobe Keile
zu hauen. Wo die meisten bei der Farbwahl zum Schwarz und zum Weiß greifen und
Bilder zeichnen, die man auch aus 100 Metern Entfernung problemlos erkennt. Marcus
Wiebusch war hingegen schon zu ...But Alive-Zeiten der Typ, der lieber zum "Grau" griff.
Und auch KETTCAR ziehen den Pinsel quer durch die Farbpalette, zeichnen mal
galliggrüne ("Mannschaftsaufstellung"), mal ultramarinblaue Bilder ("Die Straßen
unseres Viertels"), können es mit der dicken Farbrolle genauso wie mit der feinen
Tuschefeder.

Und das gilt nicht nur für die Texte, sondern auch für die Musik. Denn die ist so variabel,
offen, umwerfend und mitreißend wie noch nie in der Geschichte dieser Band. KETTCAR
sind zwar weiterhin und unverkennbar sie selbst und sorgen ein ums andere Mal für
diese typischen KETTCAR-Momente, in denen sich Melancholie mit Euphorie mischt, die
gleichermaßen Kopf und Körper ansprechen. Aber KETTCAR sind nicht stehen geblieben
und haben die vergangenen fünf Jahre seit "Zwischen den Runden" offenbar genutzt, um
sich musikalisch weiterzubilden und nun endgültig zu einer Band zu werden, die im
Plattenladen ins Fach für "Rock/Pop, international" einsortiert werden muss.
Beispielhaft ist hier Erik Langer zu nennen, der offenbar sein Gitarrespiel auf links
gedreht und sich ganz neue Facetten angeeignet hat: Mal assoziativ-flirrend wie die
Großmeister des 80er-Indierocks, dann majestätisch-erhaben und mit dem feinen
Gespür, wo die Grenze zwischen Kitsch und großer Geste verläuft. Hier ist alles drin:
Vom hemdsärmeligen Heartland-Punk bis zu schlauen Adult-Pop-Miniaturen. Von
Wave-Anleihen bis zu Philharmonie-Momenten. Ein Paradebeispiel für diese offensive,
neue Virtuosität der Band ist das fantastische "Trostbrücke Süd": Nach zwei Dritteln, als
man den Song fast schon am Ende wähnt, wird kurz innegehalten, um sich dann mit
Wucht in ein erhabenes und erhebendes Finale zu werfen: Chorgesang,
Breitwandinstrumentierung, Crescendo, Leitmotiv. Grandezza galore! Und als ob das
noch nicht reicht, liefert der Song mit der Zeile "Wenn du das Radio ausmachst / wird
die Scheißmusik auch nicht besser" auch noch eine der besten Allegorien gegen das
Ausblenden, Aussschalten, Kopf-in-den-Sand-Stecken, die die deutsche Popgeschichte
bis dato gehört hat.

Und von diesen Waschmaschinenmomenten, die einen durchschleudern und mitreißen
und ein bisschen verändert – sauberer vielleicht oder auch etwas eingelaufen – wieder
ausspucken, gibt es Dutzende auf dieser Platte. Es kommt ja nicht oft vor, dass Bands
nach 15 Jahren und mit ihrem fünften Album ihren künstlerischen Zenith erreichen.
Aber KETTCAR haben genau das geschafft. "Ich vs. Wir" ist wahrhaftig, inspirierend und
ungemein schlau, vergisst aber gleichzeitig nie, dass zu jedem treffenden Text die
passende musikalische Begleitung gehört. Intellekt und Emotion - am Ende haben einen
KETTCAR voll erwischt. Genau so funktioniert große Kunst: Sie kanalisiert die diffusen
Bedürfnisse, Wünsche und Sehnsüchte des Publikums, das diese selbst nicht äußern
kann.

Jede Zeit bekommt die Kunst, die sie verdient – das gilt im Schlechten wie im Guten.
Wobei KETTCAR natürlich die Guten, wenn nicht gar die Besten sind. Denn selten war
eine Platte so nötig wie diese, und es ist wirklich verblüffend, wie ein Album gleichzeitig
so aktuell sein kann, auf der anderen Seite aber über das Hier und Heute hinausweist
und das große Ganze ins Visier nimmt. Die Liste der wirklich wichtigen, wirklich
bedeutenden deutschen Platten, die für eine Zeit und gleichzeitig über der Zeit stehen
und über Jahre hinaus Relevanz besitzen, ist bekanntlich ziemlich kurz. Mit "Ich vs. Wir"
wird sie ein bisschen länger.

Ort der Veranstaltung

EmslandArena
Lindenstraße 24a
49808 Lingen (Ems)
Deutschland
Route planen

Die EmslandArena in Lingen lässt die Herzen der Veranstalter höher schlagen. In dieser multifunktionalen Arena können große Shows, Sport-Events, Kleinkonzerte, Tagungen und Unternehmensveranstaltungen ausgerichtet werden. Jeder Veranstaltung wird hier der perfekte Rahmen geboten, sodass jeder Event zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.

Über Nacht kann sich die EmslandArena komplett verwandeln. Präsentiert sie sich an dem einen Abend als Konzertsaal der Extraklasse, kann sie schon am nächsten Tag als Sportarena genutzt werden. Die EmslandArena steht ganz unter dem Zeichen der Flexibilität. Zwischen 900 und fast 5.000 Zuschauer können je nach Saalgestaltung zu den unterschiedlichen Veranstaltungen kommen. Zusätzlich verfügt die EmslandArena über VIP-Logen und einen Business-Club. Keine Frage, hier kommt wirklich jeder auf seine Kosten. Durch das bunte, abwechslungsreiche und anspruchsvolle Programm ist die EmslandArena längst schon über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Weil Lingen unweit der deutsch-niederländischen Grenze liegt, ist die EmslandArena auch für Sport- und Kulturbegeisterte aus dem Nachbarland ein wahrer Publikumsmagnet geworden.

Erleben Sie unvergessliche Events in der EmslandArena. Hier können Sie Großveranstaltungen der Extraklasse genießen. Für alle, die mit dem Auto anreisen möchten, gibt es ausreichend Parkmöglichkeiten rund um die Arena.