"Dienstbare Geister" + "Dark Light Dark"


Tickets ab 20,00 €
Ermäßigung verfügbar

Veranstalter: Annette von Droste zu Hülshoff- Stiftung, Schonebeck 6, 48329 Havixbeck, Deutschland


Veranstaltungsinfos

DIENSTBARE GEISTER
2015 bricht ein junger Mann aus Kamerun Richtung Deutschland auf. Er sieht für sich keine Alternative zum reichen Europa. Durch beharrliche Selbstausbeutung erkämpft er sich in Berlin schließlich eine feste Stelle. Zunehmend verliert er die Verbindung zu seiner Heimat. Aber eines Tages soll er seiner Chefin einen Dienst erweisen und gegen seinen Willen einen Auftrag in Kamerun übernehmen.
1905 verlässt eine mittellose junge Frau Berlin und wandert in die deutsche Kolonie Kamerun aus. Ihr sozialer Aufstieg geschieht auf Kosten der einheimischen Nachbarn und Bediensteten, die beharrlich und vergeblich Widerstand gegen die Deutschen leisten – unter anderem gegen Landraub und Zwang zur Arbeit mit der Peitsche.
Dienstbare Geister von Paul Plamper erzählt von diesen beiden Migrationsbewegungen, die gegeneinander laufen, während ihre Geschichten sich ergänzen. Europas Kolonialgewalt und die Folgen als Parallelmontage. Das Stück entstand sowohl als Version für den Rundfunk als auch als Installation.
Die setzt die beiden Stränge (1905 – 2015) in zwei unterschiedliche Räume im Rüschhaus. Der eine Raum ist leer. Der andere, das Italienische Zimmer, tapeziert mit Reisefantasien aus dem 19. Jahrhundert. Das Publikum teilt sich und wechselt nach dem ersten Durchlauf den Raum, um die andere Zeitebene zu hören. Doch eine Ebene durchdringt die andere: Die Kolonialzeit greift ins Heute, und umgekehrt hören wir in der Kolonialgeschichte Vorboten einer Zukunft, die an heute erinnert.
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Künstler*innen: Paul Plamper
Einlass: 18:00 Uhr /Spielort: Rüschhaus , Am Rüschhaus 81,48161 Münster

DARK LIGHT DARK
Willkommen im Droste-Museum. Hier, wo tagtäglich das Familienleben des Biedermeier ausgestellt wird, wechseln wir jetzt die Perspektive. (Und wissen danach vielleicht nicht mehr, von welchem Platz aus wir jetzt sehen. Wissen aber vielleicht besser, von wo aus wir vorher sahen.)
Olivia Wenzel, Autorin, und Julia Lerch-Zajączkowska, Kuratorin, nehmen uns mit auf eine performative Tour. Anlass ist (wie schon im Junge Burg-Projekt ein Gemälde im Gartensaal: Ein dunkelhäutiger Mann mit Turban führt ein Pferd, im Hintergrund sind Pyramiden zu sehen.
Was verrät dieses Bild über die Art, wie im 19. Jahrhundert die Bewohner*innen auf Hülshoff die Welt imaginierten? Inwieweit waren diese Phantasien Teil eines kolonialistischen Europas? Haben solche und ähnliche Bilder zur visuellen Vorbereitung rassistischer Weltsichten beigetragen? Oder waren sie ihr Resultat? Und hat das irgendetwas mit Annette zu tun? Wo ist denn bloß Annette?
Wenzel und Lerch-Zajączkowska schlüpfen in die gigantischen Pantoffeln Hülshoff’scher Vergangenheiten und streifen darin durch ihre museale Gegenwart. Exotische Deosprays und geheime Abstellkammern, verschimmelte Äpfel und mysteriöse Teppichmuster rücken in den Blick. Objekte und Erzählungen, die bisher unsichtbar, aber immer anwesend waren, kommen ans Licht.
Humorvoll und im Bewusstsein, dass Erinnern immer auch Erfinden bedeutet, führen Wenzel und Lerch-Zajączkowska durch eine Dauerausstellung, die schon sehr lange dauert. Und erforschen dabei, was Museum hier eigentlich heißt.
Stellen wir uns vor, wie Objekte im Museum sich fühlen, wenn wir sie anstarren. Stellen wir uns vor, wie Menschen sich fühlen, die als Objekte betrachtet und angestarrt werden. Stellen wir uns vor, wie wir Objekte in Subjekte, und Subjekte in Objekte verwandeln ... vielleicht hilft uns dabei Gesang? Los geht’s!
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Künstler*innen: Olivia Wenzel und Julia Lerch, Zajaczkowska
Einlass: 15 Minuten vorher / Spielort: Burg Hülshoff - Center for Literature,
Schonebeck 6, 48329 Havixbeck

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