DIE GOLDENEN ZITRONEN - „More Than a Feeling - Tour 2019“

Die Goldenen Zitronen  

Brückenstr. 23
90419 Nürnberg

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Event organiser: DESI Stadtteilzentrum e.V., Brückenstr. 23, 90419 Nürnberg, Deutschland

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DIE GOLDENEN ZITRONEN - „More Than a Feeling - Tour 2019“
Samstag, 28.09.2019 – Desi Nürnberg
Einlass 20:00 Uhr / Beginn 21:00 Uhr

Präsentiert von: Curt Magazin, Desi Nürnberg, Kulturzentrum E-Werk Erlangen, Zündfunk

Die Goldenen Zitronen - „More Than A Feeling“
Haltung zeigen gilt heute als zentrales Merkel für politische Popkultur. Waren wir da nicht schon einmal weiter? Fanden wird nicht irgendwann mal bloß Haltung zeigen zu ausgelutscht? Zu ausbeutbar, zu umdeutbar in ein Just-Do-It- Rebellentum? Heute, wo sie selbst im tropischen Brasilien, einst Traumland der
Globalisierungskritiker_innen, einen Rechtsradikalen zum Präsidenten wählen, greifen wir wieder instinktiv in die Schublade, dahin, wo die guten alten Haltungen lagern. Und die bewährten Genres gleich daneben. Wir halten sie vor uns her wie Schutzschilde. Bella Ciao – komm, wir wärmen uns am alten Partisanenlied! Komm, wir singen Antifa-Stadionpunkrock wie früher!
Rebellischer Reggae und Hiphop, hoch die Faust, da wissen wir wenigstens, wo wir dran sind. Ein verrauchtes Honky-Tonk-Piano erklingt: "Komm Joe, mach die Musik von damals nach!" So heißt es in Brecht´s Dreigroschenoper, die Goldenen Zitronen zitieren das. Schon auf einer ihrer früheren Platten (ich weiß nicht mehr welche) haben sie sich beschwert, warum es immer "Nazis raus!" heißt, wo doch jeder weiß, dass die Nazis hierher gehören.
So sind die Goldies. Immer voll drauf mit den Waffen der Kritik. Sezieren, aufspießen, Widersprüche polieren. Nörgel, nörgel, mecker mecker. Vielleicht sind die Goldies nach wie vor eine Punkband, aber wenn dem so ist, dann ist Punk eine Haltung, die Haltungen (musikalische, inhaltliche) sucht, die es noch nicht gibt. Bei den vergangenen Platten war diese Suche gerne ein kollektives Unterfangen, die Songs entstanden in Jams und gemeinsamen Debatten.
Auf "More Than a Feeling" sind die Goldenen Zitronen arbeitsteiliger vorgegangen, eher so wie zeitgenössische Hiphop-Produktionen entstehen. Acid, DAF, Ernst Busch, Kendrick Lamar, Punkrock, Störgeräusche, Experimente mit Sequencer und Drummachines: Die Goldies äußern sich immer so, wie es bisher niemand gemacht hat, musikalisch und inhaltlich. Sie interessieren sich für "das schwer Benennbare", wie es in "Die alte Kaufmannsstadt, Juni 2017" heißt, ein Stück, das die Geschichte des G20-Spektakels in Hamburg erzählt. Die Goldenen Zitronen haben während der G20-Proteste zur Eröffnung der linksautonomen
"Welcome to Hell"-Demo gespielt. Denn "the wealth of the few is hell to the others", so erklären sie es, ohne sich die Kritik der "Rollenfestspiele" zu versagen: "Wie meist bei solchen Anlässen war nicht klar ob diejenigen, die hier diesen Kampf in symbolträchtigen Bildern ausagierten auch wirklich verständlich sind für die Verdammten dieser Erde,für die sie bei solchen Anlässen ja immer zu sprechen glauben / Die Gesichter die man hinter den schwarzen Kapuzen und Sonnenbrillen sehen konnte waren weiß und meistens männlich." Die Gesichter der Goldenen Zitronen sind auch weiß und meistens männlich, aber immerhin
ziehen sie sich ab und an mal die Schuhe von anderen Leuten an. Wie zum Beispiel in "Es nervt", mitgeschrieben und gesungen aus der Perspektive einer schwarzen Person, die das Verhalten weißer Linker reflektiert, im Original ein Stück von Schwabinggrad Ballett & Arrivati, deren Sängerin Latoya Manly-Spain
hier als Gast singt: "Wir, das edle Objekt of your projections, Protagonistinnen
euer Schlachtengemälde / Solange wir nicht das Falsche sagen und euch
enttäuschen mit falschen Vorwürfen und Undankbarkeit".
"Ohlalalala" singen die Goldies auch, aber dann gleich: "Sehe ich Dunkles hinter
deiner Tür / Ich bin da, ich helfe dir". Spielt "Nützliche Katastrophen" im Kopf
von Caligula? In dem von Björn Höcke oder Viktor Orban? oder von Boris
Johnson ? Geht´s hier um die tot geglaubte Wiederkehr von populistischer
Feindbildproduktion zum machtpolitischen Selbstzweck? Oder seh´ ich mich noch
auch ganz gerne in der Trotzdem-alles-im-Griff-Rolle? Diese beunruhigende
Gewissheit, dass das Private politisch ist, liegt oft unter den Texten der Goldenen
Zitronen. "Ich weiß jetzt das du Angst hast vor Veränderung / Obwohl du gern
nach Teneriffa fliegst", heißt es in "Bleib bei mir" (feat. Sophia Kennedy). More
than a feeling eben. Selbst ein retro- und funmäßig daherkommender Song wie
"Das war unsere BRD" bringt einen ganz schön zum Grübeln: "Aufkleber, die die
Gesinnung klären", "Polizisten im Safarilook", weißt du noch, Schatz? Aber waren
wir damals besser dran? Was heißt überhaupt "Wir"? "More than a Feeling" ist
nicht zuletzt auch eine Sammlung von verzweifelten Spottliedern, also Songs, bei
denen du nicht recht weißt, ob nicht die Verzweiflung über das Verspottete den
Spott noch durchdringen lässt. Wie in "Mauer bauen" zum Beispiel, wo sich die
Goldies fragen, was eigentlich mit "Volk" gemeint ist: "Meinen sie damit, dass sie
um die Nasen die sie tragen wollen, dass sie um die Musik die sie hören wollen,
um die Autos die sie fahren wollen, um die Schweine die sie essen wollen, um die
Schritte die sie marschieren wollen etwas herum bauen wollen, um nur „ihr wir“
sein zu können?" Irre ich mich, oder gab es je auf einem Album der Hamburger
Band so viele "Hä?", "What?" oder "Was?"-artige Ausrufe gleich im
Eröffnungsstück "Katakombe"? Nicht immer gleich die Haltung aus dem Schrank
holen. Erstmal verstehen wollen, was eigentlich abgeht.
(Christoph Twickel, November 2018)

Albumrelease: 08.02.2019 / Label: Buback Tonträger / Vertrieb: Indigo/The Orchard

Pressefoto: Frank Egel

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Stadtteilzentrum Desi e.V.
Brückenstrasse 23
90419 Nürnberg
Germany
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Der Verein Desi e.V. wurde 1978 gegründet. Das Hauptaugenmerk liegt auf Programm-, Flüchtlings- und Jugendkulturarbeit. Als selbstverwaltetes Zentrum verfolgt die Desi das Ziel, für alle Gruppen, Mitarbeiter und Besucher ein größtmögliches Maß an Selbstbestimmung zu erreichen. Die Desi bietet verschiedenen Gruppen Raum, sich zu treffen und ihre eigenen Vorstellungen bezüglich Kultur und Politik umzusetzen.

Etliche Vereinigungen und Initiativen finden in der Desi ihr Zuhause. Die Interessengemeinschaft Freie Flüchtlingsstadt Nürnberg, die 1986 aufgrund der damaligen rassistischen Wahlkampagne gegen Flüchtlinge gegründet wurde, wird genauso in dem Zentrum beherbergt, wie auch die Stelle für Jugendkulturarbeit eine Fahrradwerkstatt, die Desi-Kneipe und die Karawane, die sich für die Rechte von Flüchtlingen und Migranten einsetzt.

Im Rahmen des SommerNachtFilmFestivals flimmern außerdem jedes Jahr im August unter freiem Himmel Filme über die Leinwand. In der schönen Freiluftarena des Zentrums zeigt der Veranstalter des Festivals, das Mobile Kino e.V. an etwa zehn Terminen Filme, die abseits von Mainstream und Kommerz liegen. Dieses Kinoprogramm entwickelte sich über die Jahre von einem Geheimtipp zu einem beliebten Festival, das jährlich mehrere Tausend Zuschauer anlockt!