Delirien der Liebe

Sophie Karthäuser, Akademie für Alte Musik Berlin  

Bei der St. Johanniskirche 2
21335 Lüneburg

Tickets from €10.00
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Event organiser: Niedersächsische Sparkassenstiftung, Schiffgraben 6-8, 30159 Hannover, Deutschland

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Event info

Der junge Georg Friedrich Händel kam 1706 nach Rom, um sich dort und in weiteren italienischen Städten musikalisch weiterzubilden und sich bekannt zu machen. Das gelang ihm vortrefflich mit der dramatischen Kantate „Il delirio amoroso“. Die Geschichte handelt von der unglücklichen Liebe der Nymphe Clori zu dem Schäfer Tirsi. Der Schäfer verschmäht die Liebe der Nymphe und stirbt, was Clori in tiefe Verzweiflung stürzt. Sie fleht um die Wiederkehr ihres Geliebten aus dem Totenreich – mit so expressiv-erotischen Ausdrucksmitteln des Gesangs, die selbst das verwöhnte römische Publikum bis dahin nicht gehört hatte. Pikanterweise schrieb ausgerechnet ein Kardinal den Text zu „Il delirio amoroso“. Feinsinnige Eleganz eine Generation später: Der Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel komponierte empfindsam wie ein Seismograf. Und Carl Philipps Cousin zweiten Grades, Johann Bernhard Bach, schuf Werke, von denen wir heute kaum mehr wissen. Die brillant aufspielende Akademie für Alte Musik Berlin macht daraus gemeinsam mit der belgischen Sopranistin Sophie Karthäuser ein barockes Fest. Die Akademie für Alte Musik Berlin (Akamus) gründete sich 1982 in der DDR – ein gewagter Schritt, war das Ensemble doch das erste Originalklangorchester Ostdeutschlands. Seither hat dieses Barockorchester für viel Bewegung in der historischen Aufführungspraxis gesorgt: mit beeindruckender Vortragsweise, Spieltechnik und steter Neugier. Im dreißigsten Jahr des Mauerfalls gehört Akamus längst zu den international bedeutenden Ensembles für Alte Musik.

Location

Ev.-luth. Kirche St. Johannis
Bei der St. Johanniskirche 2
21335 Lüneburg
Germany
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Mit ihrem 108 Meter hohen Turm ragt die St. Johanniskirche in den Himmel über Lüneburg und bestimmt damit seit Jahrhunderten das Bild der Stadt. Dabei zieht die Kirche nicht nur wegen des Turms an sich die Blicke auf sich, sondern vor allem durch die Tatsache, dass er schief ist. Doch dem Gotteshaus gebührt auch selbst Aufmerksamkeit, denn es ist die älteste Kirche der Stadt.

Der Baubeginn der gotischen Hallenkirche lässt sich auf das Jahr 1289 datieren, als Taufkirche ist die Johanniskirche aber schon seit 927 belegt und damit eine der ältesten Niedersachsens. Der Turm geriet beim Bau 1384 aus dem Lot, insgesamt um über zwei Meter. Aus lauter Verzweiflung stürzte sich der Baumeister aus dem Fenster, überlebte den Sturz aber, weil er zufällig durch einen Heuwagen aufgefangen wurde. Nach der Legende fiel er in derselben Nacht betrunken vom Stuhl und brach sich das Genick. Nichtsdestotrotz wurde St. Johannis Lüneburgs größte und älteste gotische Backsteinkirche und Inspiration für viele weitere Kirchenbauten. Sehenswert ist vor allem der Hochaltar aus dem 15. Jahrhundert, ein Meisterwerk der Schnitzkunst.

Berühmtheit erlangten die historischen Orgeln von St. Johannis. Eine prachtvolle Barockorgel sowie eine 450 Jahre alte Renaissanceorgel bringen die Kirche zum Klingen. Einst lernte sogar der junge Johann Sebastian Bach hier das Orgelspielen und Komponieren bei dem berühmten Komponisten Georg Böhm, der an St. Johannis Kantor war.