Clemens J. Setz / Katerina Poladjan / Dzevad Karahasan - 33. Literaturgespräch: Kurzlesungen mit Gespräch

Bertoldstraße 17
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Clemens J. Setz: Der Trost runder Dinge
Moderation: Barbara Zeman

Beinahe ehrfürchtig klingt die Jury-Begründung zum Berliner Literaturpreis 2019 – Clemens J. Setz habe in allen Großgattungen originelle Akzente gesetzt. Tatsächlich umspannt das bemerkenswert umfangreiche Werk des 1982 in Graz geborenen Autors seit seinem Debüt „Söhne und Planeten“ von 2007 nicht nur weitere Romane wie „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ und „Indigo“, sondern auch Gedichte, Theaterstücke, Essays und Erzählungen. Der Band „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ wurde 2011 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.

Bei der Verleihung im Berliner Rathaus las Setz aus „Der Trost runder Dinge“ (Suhrkamp, 2019) – sein jüngstes Buch, über das er in Freiburg mit seiner österreichischen Schriftstellerkollegin Barbara Zeman ins Gespräch kommt. Haarscharf an der Grenze zwischen Witz und Wahnwitz bewegen sich die meisten dieser Erzählungen, so Literaturkritikerin Daniela Strigl. Etwa wenn ein elsässischer Soldat im Ersten Weltkrieg am Nachthimmel das Sternbild des Großen Burschen entdeckt, das so schauderhaft ist, dass er niemandem davon erzählen kann. „Das Leben dauert ja nicht ewig. Irgendwann ist es zu Ende, und man berechnet die Summe der erlebten Abenteuer“, heißt es an einer Stelle. Dieses Buch, befindet Strigl zurecht, wird man dazu zählen.

Katerina Poladjan: Hier sind Löwen
Moderation: Annette Pehnt

„Abovyan. Petrosian. Mazavian. Mein Nachname war plötzlich in phonetischer Gesellschaft. Bisher hatte ich ihn getragen wie ein unpassendes Kleidungsstück, wie einen verbeulten Hut, den ich auch zum Essen nicht abnahm.“ Wie die 1971 in Moskau geborene Autorin Katerina Poladjan, die über Stationen in Rom und Wien nach Deutschland kam, hat ihre Erzählerin Helen armenische Wurzeln. Ihnen folgt die Buchrestauratorin im Roman nach Jerewan, um dort anhand einer Familienbibel aus dem 18. Jahrhundert ihr Handwerk zu verfeinern – und die armenische Sprache zu lernen.

„Es gibt Abertausende Schichten, und ich kratze an der Oberfläche herum, schabe Schmutz, löse Verklebungen.“ Helen stößt über Notizen in der alten Handschrift immer weiter in die Geschichte des Landes ihrer Vorfahren mit seinem nationalen Trauma vor, dem Völkermord am Ende des Osmanischen Reiches. Sie entdeckt die Geschichte der beiden Kinder Anahid und Hrant, die bei den Pogromen ihre Familie verloren haben und mit dem Evangeliar fliehen. „Hic sunt leones“ stand in alten Karten über unerkundeten Gebieten. „Hier sind Löwen“ (S. Fischer, 2019) ist ein raffinierter Roman, der sich „mit tastender Neugier zwischen den Kulturen, Religionen und Zeitaltern“ bewegt, schreibt Paul Jandl (NZZ).

Dzevad Karahasan: Ein Haus für die Müden
Moderation: Thomas Geiger

„Dieser Autor wurzelt in antiken, islamischen und christlichen Traditionen gleichermaßen (...) und plädiert unbeirrbar für Menschlichkeit und Toleranz. Karahasan bringt die unmittelbare Liebe zum Dasein und das Bewusstsein für die Katastrophe der Geschichte auf eine einzigartige Weise zusammen“, so die Jury des diesjährigen Jeanette Schocken Preises – eine von zahlreichen Auszeichnungen des in Graz und Sarajevo lebenden Erzählers, Dramatikers und Essayisten. Bereits 2004 erhielt Dzevad Karahasan den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung.

Von Liebe und Verlust, Fortschritt und Erinnerung handeln die fünf Erzählungen in „Ein Haus für die Müden“ (Suhrkamp, 2019, aus dem Bosnischen von Katharina Wolf-Grießhaber), mit denen der 1953 im jugoslawischen Duvno geborene Schriftsteller aus dem fernen Epochenschauplatz seines gefeierten Opus Magnum „Der Trost des Nachthimmels“ ins 20. Jahrhundert zurückkehrt. Der Kommunismus erreicht die bosnische Provinz. In den kleinen Städten, umgeben von majestätischen Landschaften, spüren Karahasans Helden, dass eine Zeit anbricht, in der sie keinen Platz mehr haben. Sie verwehren sich – radikale Alte, trotzige Weltverweigerer, die auf dem Recht bestehen, zu träumen, zu trauern oder einfach müde zu sein.
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Foto Clemens J. Setz: © Max Zerrahn

Datum: 09.11.2019, 15-18 Uhr
Ort: Literaturhaus Freiburg, Bertoldstraße 17
Eintritt: 5 Euro (für alle drei Lesungen)

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Literaturhaus Freiburg
Bertoldstraße 17
79098 Freiburg im Breisgau
Germany
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Im Herbst 2017 öffnete das Literaturhaus Freiburg erstmals seine Türen in der Bertoldstraße 17. Mitten in der Stadt, im Herzen der Alten Universität und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Theater, ist das Literaturhaus als Impulsgeber, Begegnungsort und literarische Produktionsstätte konzipiert.

Ein Veranstaltungssaal für bis zu 140 Personen, der flexibel auch für kleinere Formate nutzbar ist, ermöglicht Eigenständigkeit in der Programmplanung und ein vielfältiges Angebot für unterschiedliche Zielgruppen. Die Formate reichen von klassischen Lesungen über Podiumsgespräche und Vorträge bis hin zu Performances und spartenübergreifenden experimentellen Hör- und Seherlebnissen im Austausch mit benachbarten Künsten und Wissenschaften. Das Junge Literaturhaus Freiburg richtet sich mit einem breiten Angebot an Kinder, Jugendliche und Multiplikatoren.